Kredit ohne Vermittlungsgebühr: Anbieter, Informationen und Tipps

Kreditvermittler berät junges Ehepaar

Schalte ich einen Finanzdienstleister ein, der mich als Kreditnehmer mit einem Kreditgeber zusammenbringt, erhält dieser eine Provision.

Kreditvermittlungsgebühren bedeuten Kosten. Also erhöht sich allein durch die Einschaltung eines solchen Finanzdienstleisters automatisch die effektive Verzinsung.

Im Umkehrschluss ist die effektive Verzinsung niedriger, wenn ich mich direkt an die kreditgebende Bank wende.

So denken viele Verbraucher. Und so irren sie sich, jedenfalls in den meisten Fällen.

Bei den meisten Krediten macht es keinen Unterschied, ob Kredite direkt bei der Bank oder mithilfe eines dazwischengeschalteten Finanzdienstleisters abgeschlossen werden. Es gibt aber Ausnahmen.

Hier sind die Einzelheiten.

Wer erhält Vermittlungsgebühren oder Provisionen?

Im Internet finden Sie eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Finanzdienstleister, die nicht selbst Kredite vergeben, sondern als Vermittler auftreten:

Kreditvermittler wie Creditolo oder Maxda,

Vergleichsportale wie Finanzcheck,

P2P Kreditbörsen wie auxmoney.

Diese Finanzdienstleister sind selbst keine Banken. Aber es gibt auch Unternehmen mit Banklizenz, die nicht selbst Kredite vergeben, sondern die Produkte anderer Banken anbieten und vermitteln.

Beispiele: comdirect und Consorsbank arbeiten mit der SWK Bank zusammen und verweisen ihre Kreditkunden dorthin.

Wer in die Vergabe von Darlehen dritter Kreditgeber eingeschaltet ist, erhält auch eine Vermittlungsgebühr.

Die Frage ist, wer die Vermittlungsgebühr bezahlt und ob die Provision tatsächlich zu einer Verteuerung gegenüber „provisionsfreien“ direkt bei der Bank beantragten Krediten führt.

Vermittlungsgebühren: der Einfluss auf Kreditkosten

Kreditvermittler und Vergleichsportale werden in der Regel direkt von der Bank vergütet. Die Provision wird bezahlt, sobald die Widerrufsfrist eines abgeschlossenen Kreditvertrages abgelaufen ist.

Der Kreditkunde hat ein Recht auf Information über die mit der Kreditvermittlung und der Kreditvergabe zusammenhängenden Kosten. Das bedeutet, die Vermittlungsgebühren sollten gesondert ausgewiesen werden.

Der Normalfall ist, dass die Provision als ein Element des effektiven Zinssatzes in den monatlichen Kreditraten enthalten ist.

In diesem Zusammenhang führen Kreditvermittlungsgebühren aber grundsätzlich nicht zu einer Verschlechterung der Zinsbedingungen. Jedenfalls ist eine Erhöhung der Kosten durch Provisionen von Kreditkunden praktisch kaum feststellbar.

Ein Grund ist die Kalkulation der Kosten für eine bestimmte Kreditvergabe. Nimmt eine Bank die Dienste eines Kreditvermittlers oder eines Vergleichsportals in Anspruch, spart sie Werbungskosten und in manchen Fällen auch Kosten für die Kreditbearbeitung.

Diese Ersparnis hebt wenigstens einen Teil der durch die Provision verursachten Belastung auf.

Unabhängig davon unterliegt die Zinskalkulation bei Bankkrediten ganz verschiedenen Einflüssen.

Die Sollzinsen sind zunächst abhängig vom Referenzzinssatz. Die Refinanzierungskosten einer Bank können taggenau berechnet werden. So wie die Kosten für die Refinanzierung schwanken, kann theoretisch auch der an Kreditkunden ausgegebene Kreditzins schwanken.

Der Zinssatz ist außerdem abhängig von der konkreten Kostenstruktur einer Bank. Er wird weiter beeinflusst von der erwarteten Gewinnmarge.

Außerdem spielt die Bonität (das Kreditausfallrisiko) eines bestimmten Kunden eine Rolle bei der Kalkulation des angebotenen Zinssatzes.

Schließlich sind Marktumfeld und Marktstrategie entscheidende Faktoren. Mit welchen effektiven Zinssätzen kann sich eine Bank gegenüber Mitbewerbern durchsetzen und/oder ihren Marktanteil erhöhen? Werden zeitweise in bestimmten Marktsegmenten Sonderkonditionen gewährt?

Fazit:

Kreditkunden können nicht feststellen, ob sich die Kosten für ein Darlehen durch die Inanspruchnahme von Kreditvermittlern oder Vergleichsportalen gegenüber einem direkt bei der Bank beantragten Kredit erhöhen.

Schlechtere Bedingungen bei Vergleichsportalen oder Kreditvermittlern sind aber eher unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist, dass Banken letztlich für alle Angebote gleichermaßen Durchschnittskosten kalkulieren und eine durchschnittliche Gewinnmarge festsetzen.

Eine andere Situation ist gegeben, wenn die Kreditvermittlungsgebühr direkt vom Kreditkunden an den Kreditvermittler bezahlt wird.

In diesem Fall wird die Provision nicht Teil der Monatsrate, sondern muss sofort in einem Betrag aufgebracht werden. Oft geschieht dies durch Verrechnung mit dem Kreditbetrag. Der Nettokreditbetrag ist dann geringer.

Kreditprovisionen bei P2P Kreditbörsen

P2P Kreditbörsen vermitteln unter formaler Einschaltung einer Partnerbank Kredite an Kreditkunden, die von privaten Anlegern finanziert werden.

Wie Kreditprovisionen bei P2P Plattformen funktionieren, soll an zwei Beispielen deutlich gemacht werden.

Auxmoney, der Marktführer unter den Kreditbörsen in Deutschland, erhebt eine Vermittlungsgebühr in Höhe von etwa 2,95 % der Kreditsumme. Der genaue Prozentsatz soll abhängig sein von der Kreditlaufzeit und der Bonität des Kreditkunden.

Die Gebühr wird in die monatlichen Ratenzahlungen einbezogen.

Lendico hingegen erhebt eine einmalige Gebühr zwischen 2 % und 4,5 % auf die Kreditsumme. Die genaue Höhe hängt von der Laufzeit und von der Höhe der Kreditsumme ab.

Die Vermittlungsgebühr wird auf den eigentlichen Kreditbetrag aufgeschlagen.

Hat beispielsweise ein Kunde einen Kreditwunsch in Höhe von 5.000 Euro und beträgt die Provision 2,5 %, bieten Anleger auf einen Gesamtbetrag in Höhe von 5.125 Euro.

Kreditprovisionen bei P2P Krediten fallen immer dem Kreditnehmer zur Last. Sie können nicht von den eigentlichen Kreditgebern, den Anlegern, getragen werden.

Die Anleger zahlen ihrerseits eine Provision an die Kreditbörse, beispielsweise in Höhe von 1 Prozent des Anlagebetrages.

Darlehen von Kreditbörsen sind deshalb relativ teuer; manchmal jedoch die einzige Möglichkeit im Internet einen Kredit zu erhalten.

Schweizer Kredit ohne SCHUFA und ohne Vermittlungsgebühr

Schweizer Kredite, eigentlich handelt es sich um Kleinkredite aus Liechtenstein von der Sigma Bank, sind mit gegenwärtig ca. 11,1 % Effektivzinsen teuer.

Aber sie sind so transparent wie kein anderes Zinsangebot. Hier eine Kurzfassung der Konditionen in Tabellenform:

 

Nettokreditbetrag3.500 Euro5.000 Euro7.500 Euro
Zinsaufwand706 Euro1.008 Euro1.512 Euro
Gesamtbetrag4.206 Euro6.008 Euro9.012 Euro
Sollzinssatz10,59 %10,58 %10,58 %
Effektiver Jahreszins11,12 %11,11 %11,11 %

Ebenso wie die Konditionen sind die Vergabevoraussetzungen transparent. Für jeden nachvollziehbar sind die Anforderungen an das Mindesteinkommen und an die Mindestbeschäftigungsdauer.

Kredite ohne SCHUFA können bei der Bank direkt beantragt werden. Sie werden darüber hinaus von Kreditvermittlern vermittelt.

Kein Kreditvermittler erhält Konditionen, die von denen auf der Webseite der Bank aufgeführten Bedingungen abweichen. Es gibt also keine günstigen oder ungünstigen schufafreien Kredite. Überall gelten dieselben Bedingungen.

Angeblich lassen sich einige Kreditvermittler die Vergütung von der Bank bezahlen. Sie bieten deshalb Kredite ohne SCHUFA zu exakt denselben Konditionen an wie die Bank selbst. Zusatzvereinbarungen über die Zahlung einer Provision durch den Kunden gibt es nicht.

Andere Kreditvermittler hingegen erheben zusätzlich zu den von der Bank festgesetzten Kreditzinsen eine Vermittlungsgebühr. Die Gebühr wird in einem gesonderten Kreditvermittlungsvertrag vereinbart und geht direkt an den Vermittler.

Bei Krediten ohne SCHUFA ist die Sache also klar. Wer diesem Kleinkredit bei der Bank selbst oder bei einem Kreditvermittler, der keine zusätzliche Provision verlangt, abschließt, fährt günstiger.

Berechnet der Kreditvermittler hingegen eine zusätzliche Gebühr, ist das Darlehen für den Kreditnehmer definitiv teurer.

Kreditvermittlung: Was ist das eigentlich?

Kreditvermittler betreiben die gewerbliche Vermittlung von Darlehen an potenzielle Kreditkunden. Für diese Tätigkeit benötigt der Kreditvermittler eine Erlaubnis nach Paragraf 34c Abs. 1 Nummer 2 der Gewerbeordnung.

Die Kreditvermittlung geschieht auf der Grundlage eines schriftlichen Kreditvermittlungsvertrages, in dem die wechselseitigen Rechte und Pflichten geregelt sind. Inhalt dieser Vereinbarung ist unter anderem:

Angaben zum Kredit, der vermittelt werden soll.

Die Festsetzung des Provisionsanspruchs des Vermittlers.

Eventuell zeitliche Befristungen und Klauseln zur Exklusivität.

Regelungen zum Datenschutz und zu anderen Nebenabreden.

Kreditvermittler verfügen über einen Pool von Partnerbanken, deren Kreditangebote sie taggenau vergleichen können, um ihren Kreditkunden das beste Angebot vorzulegen.

Viele Kreditvermittler machen ein Geheimnis daraus, um welche Partnerbanken es sich handelt.

Kunden können aber davon ausgehen, dass sich die Partnerbanken-Pools der einzelnen Finanzdienstleister nicht wesentlich voneinander unterscheiden.

Jeder Kreditvermittler wird versuchen, alle wesentlichen Direktbanken als Partner zu gewinnen.

Wird ein Kreditvermittler eingeschaltet, schließt der Kreditkunde immer zwei Verträge ab: den Kreditvertrag mit der Partnerbank des Finanzdienstleisters und den Kreditvermittlungsvertrag.

Kreditvermittlungsprovision

Die Kreditvermittlungsgebühr ist das Entgelt für die erfolgreiche Vermittlung eines Darlehens. Die Gebühr darf nur erhoben werden, wenn ein Kreditvertrag zustande kommt. Daneben darf der Kreditvermittler ausschließlich Ersatz für tatsächlich angefallenen Aufwendungen verlangen.

Regelungen zu Vermittlungsgebühren und Aufwendungsersatz müssen für den Kreditnehmer sowohl im Vertrag mit dem Kreditvermittler als auch mit der Bank transparent aufgeführt werden.

Überhöhte Gebühren sind unzulässig. Sie führen zur Nichtigkeit des Kreditvermittlungsvertrages.

Wann Wucher vorliegt, wird vom Gesetz nicht geregelt. Zu dieser Frage gibt es aber verschiedene Gerichtsurteile. Einige Gerichte gehen von einer Sittenwidrigkeit der Provisionsvereinbarung aus, wenn die Provision 6 % der Kreditsumme übersteigt.

Zusammenfassende Bewertung

Wenn Sie nicht möchten, dass ein Finanzdienstleister (Kreditvermittler, Kreditvergleich) an ihrem Kredit mitverdient, müssen Sie ihre Anfrage direkt beim Kreditinstitut stellen.

Beim Kredit ohne SCHUFA entfällt die Provision immer, wenn Sie sich direkt an die Sigma Bank wenden. Schufafreie Kredite direkt von der Bank können deshalb günstiger sein als bei Zwischenschaltung eines Kreditvermittlers, sofern der Vermittler zusätzlich eine Provision erhebt.

Beantragen Sie ein normales Darlehen direkt bei der Bank, können sie nicht feststellen, ob dadurch für sie ein Kostenvorteil entsteht. Denn die Bank gibt ihnen keinen Einblick in die Kostenkalkulation, die der konkreten Kreditvergabe zugrunde liegt.

Häufig werden keine Kostenvorteile durch einen Direktantrag bei der Kreditbank entstehen.

Ein Kreditabschluss direkt bei der Bank hat aber einen entscheidenden Nachteil. Es entfällt der Kreditvergleich und damit die Möglichkeit, aus etwa 20 Angeboten von Direktbanken das günstigste Kreditangebot auswählen zu können.

Die Jagd nach einem Kredit, an dem kein zwischengeschalteter Finanzdienstleister durch eine Kreditvermittlungsgebühr verdient, kann also letztlich zu einem überteuerten Kreditabschluss führen.